"Feuerwehr ist keine reine Männersache."

Amtsschimmel #17

Jochen Strebelow (40) ist seit Dezember 2015 in der Einsatzvorbereitung & im Katastrophenschutz im Fachbereich 710 beim LaDaDi in Dieburg beschäftigt. Im Interview spricht der Ober-Ramstädter über Einsätze und Nachwuchsprobleme bei der Feuerwehr und verrät, warum er ein Frühaufsteher ist.

 

KT: Wie erklären Sie einem Bekannten Ihren Job?

Ich arbeite in Dieburg beim Brand- und Katastrophenschutz. Hier kümmere ich mich unter anderem um die Aus- und Fortbildungen für die rund 2600 freiwilligen Feuerwehrfrauen und -männer im LaDaDi. Außerdem sind wir im Katastrophenschutzstab tätig und sind anlassbezogen im Einsatz. Wie beispielsweise beim Waldbrand in Münster im Sommer 2019 oder beim Orkan Sabine im Februar.


KT: Die Corona-Pandemie hat vermutlich den Lehrgangsbetrieb erstmal lahmgelegt. Andererseits war der Katastrophenschutz sicherlich gefragt, oder?

Unseren Grundlehrgang haben wir Mitte März unterbrochen und viele Fortbildungen abgesagt. Im Brand- und Katastrophenschutz waren bis Anfang Mai immer zwei Mitarbeitende von der Dienststelle 24 Stunden sieben Tage die Woche im Einsatz. Wir betreuen ja auch das Katastrophenschutzlager, wo zum Beispiel Ausstattung für die Kliniken, die uns das Land zur Verfügung stellt, gelagert wird und über den Verwaltungsstab des LaDaDi abgerufen wird. Mittlerweile sind wir wieder im normalen Schicht- und Bereitschaftsdienst. Nach den Sommerferien haben wir auch die Lehrgänge an den verschiedenen Ausbildungsstandorten wieder aufgenommen. Kleinere Gruppen, größere Räume und Abstände, mehr Ausbilder – eben angepasst an die aktuellen Bedingungen.


KT: Was war Ihr Berufswunsch in der Grundschule? Wollten Sie schon als Kind zur Feuerwehr?

Ja, ich bin tatsächlich bereits mit zehn Jahren in die Jugendfeuerwehr bei der Freiwilligen Feuerwehr in meiner Heimat Ober-Ramstadt eingestiegen.
 

KT: Was haben Sie vorher gemacht und was hat Sie zum LaDaDi gebracht?

Ich war acht Jahre Lokführer bei der Odenwaldbahn und bin auch mal LKW gefahren. Als meine jetzige Stelle ausgeschrieben war, habe ich mich beworben und den Job bekommen. Das Feuerwehr Know-how hatte ich ja bereits, das Verwaltungsspezifische habe ich in der Abendschule nachgeholt.
 

KT: Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere im LaDaDi?

Wir sind ein autarkes Team von 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wir sind flexibel und die Wege kurz, sind organisatorisch als Außenstelle aber auch für uns verantwortlich.
 

KT: Was mögen Sie an Ihrem Job besonders?

Dass es kein reiner Bürojob ist. Dass wir flexibel auf Ereignisse reagieren müssen, bringt viel Abwechslung mit sich.

 

KT: Was darf auf keinen Fall fehlen?

Die Leute müssen zusammenpassen. Wir sind alle vom gleichen Schlag. Viele sind bei einer Freiwilligen Feuerwehr oder einer anderen Hilfsorganisation aktiv. Wir harmonieren sehr gut.

 

KT: Gibt es denn auch Frauen im Team?

Ja, wir haben acht Mitarbeiterinnen, Feuerwehr ist keine reine Männersache mehr.
 

KT: Welche Ereignisse sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?

Der Brand eines Reifenlagers in Pfungstadt im Jahr 2007. Und die sogenannte Mega-Übung der Kreisjugendfeuerwehr in 2014. Diese haben wir bei DAW SE (Deutsche Amphibolin-Werke) in Ober-Ramstadt durchgeführt. Über 1.000 Kinder und Erwachsene waren beteiligt und es war eine besondere Motivation für den Nachwuchs.

 

KT: Wo Sie gerade den Nachwuchs erwähnen. Wie sieht es denn da bei der Feuerwehr aus?

Auch die Feuerwehr hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen, das ist ein allgemeiner Trend bei ehrenamtlichen Tätigkeiten. Aber es wurde schon Einiges auf die Beine gestellt. Die Kampagne „Zukunftsschmiede Jugendfeuerwehr“ etwa, die bundesweit Beachtung fand und die Mitgliedergewinnung im Fokus hat.

Unterstützung kommt auch vom Land Hessen bezüglich der Brandschutzerziehung in Schulen. Wir tauschen uns bereits mit Lehrern aus, wie das Thema in den Lehrplan integriert werden kann. Was macht die Feuerwehr überhaupt? Das in wenige Schulstunden zu packen ist sportlich, aber ein Anfang.

 

KT: Welche versteckten Talente haben Sie?

Organisationstalent. Wenn beispielsweise noch ein Lehrgangsplatz auf die Schnelle gebraucht wird, bekomme ich das flott geregelt.
 

KT: Wie schaffen Sie einen Ausgleich zum Job?

Meine Lebenspartnerin und ich haben zwei Labradore, einen weißen und einen schwarzen Rüden. Kara und Jurij sind acht und zwei Jahre alt. Wir gehen vier Mal am Tag mit den Hunden Gassi. Die erste Runde laufe ich um 5 Uhr morgens.
 

KT: Was essen Sie am liebsten?

Pasta! Viel Kohlenhydrate. (grinst)

 

KT: Was ist Ihr Lieblingsort im LaDaDi und warum?

Meine Heimat Ober-Ramstadt. Ich habe noch nie woanders gelebt. Ich habe das Haus meiner Eltern übernommen und fühle mich einfach wohl dort.

 

KT: Wohin reisen Sie gerne?

Ich mag die Berge. Ich bin kein Wintersportler, aber ich wandere und laufe sehr gern.

 

KT: Wenn Sie sich beim LaDaDi etwas wünschen könnten, was wäre das?

Ich bin zufrieden und wünsche mir einfach nur, dass wir weiterhin so zukunftsweisend agieren können.

 

Informationen zur „Zukunftsschmiede Jugendfeuerwehr“: http://kjf-dadi.de/index.php